Interview mit BPB

Die Kunst der digitalen Transformation

Interview mit dem K├╝nstler BPB – Burkhard P. BierschenckB.P.Bierschenck

DKJ: Sie stechen als Autodidakt ein wenig heraus aus der Schar der K├╝nstler, die ├╝ber Kunstakademie oder Grafikdesign zu ihrem Weg gefunden haben. Sie sind Historiker, Journalist, Schriftsteller und schlussendlich auch bildender K├╝nstler. Wie kam es dazu?

BPB: Das Interesse f├╝r Kunst hat sich schon in meiner Jugend herausgebildet. Wie alle Kinder habe ich gerne gemalt und Geschichten fabuliert. Ich habe stets viel gelesen und durch meine Kindheit in Asien wurde mein Auge f├╝r kulturelle Gegens├Ątze, Farben und Formen geschult. Ich habe mit etwa vierzehn angefangen ernsthaft zu schreiben, und mit Anfang zwanzig meine ersten malerischen Versuche gestartet. W├Ąhrend meines Studiums der Geschichte, sowie der Literatur- und Kunstgeschichte, eignete ich mir theoretische Grundlagen an. Mit meiner Malerei war ich jedoch lange Zeit sehr unzufrieden, ich suchte immer nach alternativen Wegen mich auszudr├╝cken und fand sie lange nicht. F├╝r mich ist Poesie Malen mit Worten und Malen ist Poesie in Farben und Formen. Sp├Ąter interessierte ich mich mehr f├╝r die Fotografie und dar├╝ber fand ich dann wieder zur├╝ck zur Malerei, allerdings nun mit dem Werkzeug des digitalen Pinsels. Die neue Technik faszinierte mich zwar au├čerordentlich, aber erst in den letzten Jahren entstanden die Werkzeuge, die mir erm├Âglichten, mich so auszudr├╝cken, wie ich es mir vorgestellt hatte.

2015-07-09 16.30.29DKJ: Mit welchen Programmen arbeiten Sie da heute konkret?

BPB: Ein kleines Geheimnis muss noch bleiben. Da es mehrere sind, und nicht bei jedem Bild die gleichen Programme zum Einsatz kommen, w├╝rde Ihnen diese Information auch nicht viel helfen. Es ist ja nicht das Programm, sondern das Bild vor dem inneren Auge des K├╝nstlers, welches das Ergebnis letztlich bestimmt.

DKJ: Sie haben als Schriftsteller zahlreiche B├╝cher geschrieben, sind auch ein anerkannter Lyriker und Mitglied des PEN. Nun treten Sie verst├Ąrkt mit Ihrem bildnerischen Werk an die ├ľffentlichkeit. Warum erst jetzt?

BPB: Ich hatte in der Vergangenheit nie das Interesse meine Bilder ├Âffentlich zu machen, ich muss keine Bilder verkaufen. Ich habe sie eigentlich f├╝r mich geschaffen, der Prozess der Transformation w├Ąhrend der zahlreichen Arbeitsschritte faszinierte mich. Durch mein Interesse f├╝r die Kunst lernte ich im Laufe der Zeit viele K├╝nstler kennen, von denen einige mich aufforderten, meine eigenen Arbeiten doch endlich mal ├Âffentlich zu zeigen. Diese Aufmunterung gab mir schlie├člich den Impuls meine Zur├╝ckhaltung zu ├╝berwinden.

DKJ: Weshalb haben Sie nicht einfach den klassischen Weg ├╝ber Ausstellungen in Galerien gew├Ąhlt, sondern ├╝ber das Internet.

BPB: Wir reden heute in der Businesswelt ├╝ber die Digitale Transformation. Ich bin im Internet zuhause. Da lag es ganz selbstverst├Ąndlich nahe f├╝r einen K├╝nstler, der gerne digital arbeitet, den Weg ├╝ber das Internet zu w├Ąhlen. Das tun heute immer mehr K├╝nstler und – sic! – auch Galerien. Das hat nebenbei auch den Vorteil, dass ich selbst bestimmen kann, wo es lang geht, das ist mir sehr wichtig. Allerdings sind auch bereits Ausstellungen in Galerien geplant, insofern bleibt das Internet zwar mein digitales ÔÇ×HeimspielÔÇť, die konventionellen Wege sind deshalb nicht ausgeschlossen, bekanntlich f├╝hren viele Wege nach Rom.

DKJ: Ihre Thema ist das menschliche Sein. Sie verwenden teils grobe Strukturen und leuchtende Farben, teils sehr d├╝stere Szenarien.

BPB: Wir leben in einer Welt, deren Sch├Ânheit extrem bedroht wird durch L├Ąssigkeit im Umgang mit der Natur. Dazu menschlichen Beziehungen, in denen die Liebe durch Kosten-Nutzen-Mentalit├Ąt zerst├Ârt wird, ebenso wie uns fanatische, fehlgeleitete Menschen ganz pers├Ânlich mit Folter und Mord bedrohen. Diese Konflikte im menschlichen Sein spiegeln sich in meinem Werk wieder, im Guten wie im B├Âsen, im Sch├Ânen wie im H├Ąsslichen.

DKJ: Wie kommen die Menschen an Ihre Werke. Nur ein Blick auf eine Internetseite ist vielleicht doch zu wenig?

BPB: Die Werke gibt es auf Leinwand und als Druck auf Papier. Alle Motive werden gro├čformatig auf Leinwand ├╝bertragen, dort nehme ich anschlie├čend noch ganz konventionell per Hand Korrekturen vor. Einige Werke gibt es zus├Ątzlich auch als nummerierte und signierte Gicl├ęe-Originale in kleineren Auflagen auf Papier. Die Gicl├ęe-Drucktechnik hat f├╝r mich zeitgem├Ą├č die alte Lithografie vom Stein ersetzt, au├čerdem erm├Âglicht mir das ebenfalls gro├če Formate.

DKJ: Gro├če Formate? Wie vertr├Ągt sich das damit, dass Sie angeblich manche Bilder mit dem Smartphone ÔÇ×malenÔÇť?

BPB: Wir leben im 21. Jahrhundert, warum also nicht? Tats├Ąchlich setze ich das Smartphone gerne ein, weil ich mobil bin und damit manche Blicke sofort einfangen und daran erste Bearbeitungsschritte vornehmen kann. Die Kamera in meinem Smartphone hat eine sehr hohe Aufl├Âsung, sonst ginge das nicht. Allerdings bearbeite ich die meisten der so entstandenen Bilder zuhause am Computer noch mit anderen Programmen weiter, so dass letztlich viele Schichtungen zum endg├╝ltigen Bild f├╝hren. Diese Art der digitalen Transformation ist ein langwieriger und arbeitsintensiver Prozess.

┬ę Das Kunst Journal 2015

 

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